ProMit
Betriebliche Mitbestimmung als Promotor der beruflichen Weiterbildung

Ergebnisse

Technische Trends in den Branchen
Finanzdienstleistungen

Die Banken und Versicherungsunternehmen der Finanzdienstleistungsbranche stehen unter akutem Handlungsdruck aufgrund des anhaltend starken Wettbewerbs, sinkender Margen, niedriger Zinsen und verändertem Kundenverhalten. Die Reaktionen seitens der Unternehmen hierauf sind fortschreitende Kostensenkungen, Automatisierung und Standardisierung von Geschäftsprozessen sowie Arbeitsteilung mithilfe von IT-Systemen (= „Industrialisierung“). Im Finanzdienstleistungsbereich werden künftig immer mehr Geschäftsvorgänge direkt vom Kunden übernommen (Online-Banking, Direktversicherung und Vergleichsportale), die zuvor von Finanzberatern und Sachbearbeitern übernommen wurden. Schlussendlich wird auch der systematischen Auswertung großer Datenmengen („Big Data“) und dem vermehrten Einsatz von vollautomatischen Verarbeitung von Geschäftsprozessen („Dunkelverarbeitung“) eine zentrale Bedeutung zukommen.

Handel

Die wirtschaftliche Situation im Handel ist durch einen intensiven Preiswettbewerb gekennzeichnet, der die Unternehmen unter starken Kostendruck setzt, die wiederum mit Rationalisierungsanstrengungen reagieren. Zur Effektivierung der Geschäftsprozesse und zur Reduktion der Personalkosten werden vermehrt Informations- und Kommunikationstechnologien eingesetzt. Neben dem Einsatz von RFID-Systemen und neuen Bezahl- und Kassensystemen setzen die Unternehmen auf ein neues Kundenbeziehungsmanagement sowie auf die Verknüpfung von stationärem Handel mit Online-/Mobile Anwendungen. Fernerhin wird im Handel der systematischen Auswertung von großen Datenmengen („Big Data“) hinsichtlich der veränderten Kundenbeziehungen eine zentrale Bedeutung zukommen.

Logistik

Die Logistikbranche hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einem komplexen Supply-Chain-Management entwickelt, das unternehmensübergreifende Planungs-, Steuerungs- und Dispositionsaufgaben zu weltweiten Wertschöpfungsketten integriert. Die Nutzung von Informationstechnologien ist die Voraussetzung für ein effizientes Supply-Chain-Management und eine transparente Abbildung der Wertschöpfungs- und Lieferkette. In der Logistikbranche wird in den kommenden Jahren das Internet der Dinge, Big Data, Smart Logistics, Augmented Reality und der verstärkte Einsatz von Robotern und Automatisierungstechniken eine bedeutende Rolle zukommen.

Ergebnisse: Auswirkungen auf die Qualifizierung der Arbeitnehmerinnen

Die aufgezeigten technologischen Entwicklungen in den Branchen fügen sich in den allgemeinen Trend einer fortschreitenden Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Computer und Roboter können zunehmend einfache Arbeitsaufgaben ersetzen, während komplexere Komponenten in der Arbeit an Bedeutung gewinnen werden. Im Zuge dieser Entwicklungen wird demnach ein Teil der Tätigkeiten wegfallen, während in einem Großteil der verbleibenden Tätigkeitsfelder die qualifikatorischen Anforderungen steigen werden.

Einer der wichtigsten Schlüssel zur Bewältigung der künftigen Herausforderungen stellt daher die Qualifizierung dar. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zeigen auf, dass sich im Kontext des voranschreitenden technologischen Wandels die Tätigkeitsprofile und Anforderungen in allen Wirtschaftssektoren stetig verändern. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen flexibel darauf reagieren und sich neue Qualifikationen aneignen um auch im Wettbewerb gegen neue Maschinen und Algorithmen zu bestehen. Hierbei werden von großer Bedeutung die Investitionen in Lebenslanges Lernen seitens des Staats, der Unternehmen und der Beschäftigten selbst sein.

Die Voraussetzungen für Lebenslanges Lernen als eine Strategie um im technologischen Wandel zu bestehen, sind in Deutschland durch ein formales und breites Bildungssystem und zahlreiche Bildungsangebote gegeben. Es wird jedoch zukünftig mehr denn je darauf angekommen, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Weiterbildungsangebote aktiv annehmen und die Unternehmen die Qualifikationsanforderungen erkennen und den Beschäftigten die Teilnahme an Weiterbildungsveranstaltung ermöglichen.

Hierbei kommt den betrieblichen Mitbestimmungsakteurinnen und -akteuren eine zentrale Bedeutung zu. Sie sind es, die durch aktives Mitwirken in Fragen der Weiterbildung den Unternehmen unter die Arme greifen und den Beschäftigten zu dringend benötigten Weiterbildungsangeboten verhelfen können. Nur so werden sowohl Unternehmen als auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nachhaltig für die künftigen Herausforderungen des technologischen Wandels vorbereitet werden.

Handlungsmöglichkeiten der betrieblichen Mitbestimmungsakteurinnen und -akteure

Die betrieblichen Mitbestimmungsakteurinnen und -akteure können eine bedeutende Rolle in der Frage der Qualifizierung der Beschäftigten einnehmen. Hierzu ist es notwendig, dass Sie auf Grundlage ihrer Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrechte die entsprechenden Maßnahmen ergreifen, um gemeinsam mit dem Unternehmen Qualifikationsbedarfsanalyse zu erstellen, bewerten und umzusetzen.

Um die Projektergebnisse in die Praxis umzusetzen, wurde ein praxisorientierter Handlungsleitfaden erstellt, der die unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten der betrieblichen Mitbestimmungsakteurinnen und -akteure aufzeigt und evaluiert. Dieser Handlungsleitfaden steht hier zum Download bereit.